Es bringt nicht nur Vorteile mit sich, dass der medizinische Fortschritt immer größer wird. Der größte Nachteil an einer besseren Versorgung und dem damit verbundenen wachsenden Sterbealter, ist die Kostenexplosion im Gesundheitssektor. Die Behandlungen werden immer teurer, auch wenn die Löhne nicht steigen. Da wird es schwer ein effektives Gesundheitssystem zu finanzieren, wir bemerken gerade selber wie brüchig unseres ist. Aber wie reformiert man dieses am besten? Gesundheitsminister Philipp Rösler schlägt eine kapitalgedeckte, obligatorische Pflegezusatzversicherung vor.
Doch lässt sich diese von uns auch bezahlen? Das ist eine andere Frage, Fakt ist, die privaten Krankenversicherer klatschen bei solchen Plänen in die Hände, sie profitieren im Endeffekt davon. Denn das Geschäft mit den Absicherungen für den eventuellen Pflegefall im hohen Alter läuft schleppend. Das könnte sich aber auf einen Schlag ändern, sollte Rösler sein Vorhaben durchsetzen können. Dabei kann eine solche Police durchaus sinnvol sein. Ein Pflegeplatz mit vollstationärer Betreuung kann heute schon über 3000 Euro im Monat kosten. Und dies kann jedem passieren, mit einer Pflegezusatzversicherung kann man diesen finanziellen Schock vermeiden, oder zumindest verringern. Dazu kann man bei den Versicherungen zwischen drei Varianten wählen.
Da wäre zum Beispiel die Pflegetagegeldpolice. Hier wird dem Patienten, abhängig von der Pflegestufe, eine vertraglich festgelegte Summe pro Tag ausgezahlt. Über diese Summe kann dan frei entschieden werden. Einziger Nachteil: Zusätzliche Kosten, bei einer kostenintensiveren Betreuung zum Beispiel, werden nicht übernommen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Pflegekostenpolice, bei ihr werden die Leistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung aufgestockt. Allerdings müssen hier alle Kosten per Rechnungen nachgewiesen werden, ein nicht gerade geringer bürokratischer Aufwand für die Angehörigen. Dafür werden aber eventuelle Preissteigerungen mit übernommen. Als letztes gibt es noch die Pflegerentenpolicen. Von diesen wird aufgrund der zu hohen Kosten abgeraten. “Die Angebote sind intransparent und viel zu teuer”, so Lilo Blunck vom Bund der Versicherten.
Egal für welche Art man sich entscheidet, es wird geraten eine solche Police nicht erst im hohen Alter abzuschließen. Denn je früher man sich zu einer Pflegezusatzversicherung entschließt, desto niedriger fallen die Beiträge aus. “Wenn die Kinder aus dem Haus sind und genug Geld da ist, ist es Zeit, sich über die Pflegeabsicherung im Alter Gedanken zu machen”, empfiehlt Blunck. Natürlich kann solch eine Versicherung auch später abgeschlossen werden, allerdings würden die Beitrage dann wesentlich höher ausfallen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass zum Beispiel Kinder einen Vertrag für ihre Eltern abschließen. Dazu muss das Kind aber volljährig und die versicherte Person voll geschäftsfähig sein, das heisst den Vertrag mitunterschreiben können.
Sollte es dann zu einem Abschluss einer Police kommen, sollte darauf geachtet werden, dass schon ab Pflegestufe eins ausgezahlt wird, sowie die häusliche und stationäre Pflege abgedeckt ist. Auch sollte man bei einem Eintritt der Pflegebedürftigkeit keine Beiträge mehr zahlen müssen. Tritt der Fall einer solchen Pflegebedürftigkeit dann wirklich einmal ein, darf man aber nicht davon ausgehen mit einer Zusatz-Police alle Kosten abgedeckt zu haben. Besonders bei einer langen und schwerwiegenden Bedürftigkeit reicht der Pflegesatz oft nicht aus um alle Kosten für die vollständige Versorgung zu decken. Man muss also immer damit rechnen, dass auch die eigene Rente für so einen Fall herhalten muss.
Konkrete Pläne für eine verpflichtende Pflegeversicherung stehen noch nicht fest. “Wir haben derzeit noch keinen Zeitplan für die Einführung der obligatorischen Pflegezusatzversicherung”, so das Bundesarbeitsministerium. Auch ist noch unklar, ob Menschen mit bestehenden Policen diese auch anerkannt bekommen. Blunck geht aber davon aus, dass ein neuer Vertragsabschluss nicht nötig sein wird. “Wenn von den Versicherten verlangt wird, ihre alten Zusatzpolicen auf Eis zu legen, wird das einen Ansturm auf die Gerichte geben.”, erklärt die Expertin.
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